Ein Interview mit Usability-Experte Johannes Altmann von Shoplupe

Johannes Altmann - Shoplupe

Sobald es um das Thema Usability geht, kommt man nicht an Johannes Altmann vorbei: Der Gründer und Geschäftsführer von Shoplupe ist der Experte, wenn es um die Anwenderfreundlichkeit von Onlineshops geht. Das lässt sich nicht zuletzt am Erfolg des Shop Usability Awards ablesen, der von Shoplupe seit 2008 jährlich ausgerichtet wird und als der renommierteste deutsche E-Commerce-Award gilt. Für die PartnerNews von ratenkauf by easyCredit beantwortet Johannes Altmann die wichtigsten Fragen rund um das Thema Usability.

1. Welche Rolle spielt die Usability eines Shops bei der Kaufentscheidung?

Gute Nutzbarkeit ist kein Vorteil oder Unique Selling Point, sondern die Basis für einen erfolgreichen Shop. Nur wenn der Shop leicht erlernbar und nutzbar ist, kann der User problemlos und hürdenlos bestellen. Und nur dann kann der Shopbetreiber mit hohen Conversion Rates rechnen.

Die Usability hat eher was mit der Shopentscheidung zu tun – ich kaufe nur in Shops, die mir gefallen und für mich einfach zu nutzen sind. Dabei ist die Auffindbarkeit eines Produkts immer noch das größte Usability-Problem von vielen Shops. Das ist fatal, denn die Kaufentscheidung trifft der Kunde aufgrund guter User Experience.


2. Wie kann man die User Experience eines Shops messen?

Gute User Experience bedeutet, dass mich der Shop zur richtigen Zeit mit den richtigen Informationen und Inhalten inspiriert, fesselt, verführt und zum Kauf bringt. User Experience ist das perfekte Einkaufserlebnis und besteht aus der Attraktivität des Shops, die wiederum auf guter Usability, Originalität und Stimulation basiert. Die Messung ist nicht einfach, denn viele Kriterien für ein perfektes Einkaufserlebnis sind sehr subjektiv.

Wir haben die Shoplupe Customer Loyalty Canvas entwickelt, die mit bestimmten Fragestellungen genau diese Subjektivität messbar macht. Die Canvas ist übrigens auch die Basis für den Prüfkatalog bei unserem Shop Usability Award, der dieses Jahr zum elften Mal vergeben wird.


3. Welche Rolle spielt der Checkout im Onlineshop grundsätzlich und im Hinblick auf die Usability?

Der Checkout ist natürlich DER kritische Punkt im Shop, denn an dieser Stelle will ich keinen User mehr verlieren. Zugleich umfasst dieses Shop-Element eine immer höhere Komplexität und ist auch der sensibelste Punkt hinsichtlich mobiler Darstellung. Shopbetreiber sollten sich an gelernte Standards halten und durch A/B-Testing den optimalen Weg ermitteln.


4. Was sind sinnvolle Stellschrauben für Händler, die Ihrem Shop eine bessere Usability verschaffen wollen?

Gute Nutzbarkeit hat viele Facetten. In erster Linie sollte der User aber das gewünschte Produkt überhaupt finden. Meiner Meinung nach wird heute zu wenig Knowhow vermittelt, um die Navigation sinnvoll aufzubauen. Auf der Produktliste muss der User eine Produktentscheidung treffen – dafür werden die Produktlisten aber mit zu wenig Details und häufig zu kleinen Bildern ausgestattet. Auf der Produktdetailseite werden zwar alle Informationen zur Kaufentscheidung aufgelistet, aber der User wird nicht richtig motiviert – es fehlt quasi an User Experience. Bis zu diesem Schritt gibt es schon so viel zu tun, dass der Checkout möglicherweise das kleinste Problem ist.


5. Wie beurteilen Sie den Ratenkauf unter Usability-Gesichtspunkten?

In mehreren Fokusgruppen haben wir inzwischen erfahren, dass Ratenkauf nichts mit fehlendem Budget zu tun hat. Konsumenten finanzieren, um den Spielraum zu vergrößern – eine alte Art der Finanzierung wird zur neuen Art des Konsums. Aus diesem Blickwinkel betrachtet wird der Ratenkauf für viele Shops wichtig und ist damit essenzieller Bestandteil der Basis-Zahlungsmöglichkeiten.